Wie die First Responder in Wilster schnelle Hilfe leisten
Veröffentlicht von A.M. am 22.02.2026

Ihr Einsatzalarm lautet immer „lebensbedrohlich“
30 First Responder der Feuerwehr Wilster rückten 2025 zu 64 Notfällen aus. Bei den Einsätzen wissen sie nie, was sie erwartet. Wie gehen die ehrenamtlichen Ersthelfer mit den Herausforderungen um?
Sie sind schnell vor Ort, unterstützen den Rettungsdienst – und helfen damit ehrenamtlich effektiv, Menschenleben zu retten: die First Responder. 64 Einsätze hatten die 30 Ersthelfer der Feuerwehr im vergangenen Jahr in Wilster. Das macht fast die Hälfte der rund 130 Einsatzfahrten der Freiwilligen Feuerwehr Wilster für 2025 aus.
Öffentlich wird ihr Engagement, anders als bei Bränden oder Unfällen, allerdings hauptsächlich nur in Zahlen. Was dem Datenschutz geschuldet ist, um Patienten nicht identifizierbar zu machen. Doch wie bereiten sie sich auf die schnelle Hilfe vor? Wie läuft der Einsatz ab? Und was bedeutet ihnen dieser zusätzliche Dienst, der eine freiwillige Leistung der Feuerwehr Wilster ist?
„Man muss es natürlich wollen“, sagt Thorben Zeidler, denn verbunden mit dem First-Responder-Dienst ist eine solide Ausbildung in Erster Hilfe und regelmäßiges Wiederholen an den eigens dafür angesetzten Dienstabenden – einmal pro Monat. „Und ich freue mich ja auch, wenn jemand mir hilft“, fügt Zeidler hinzu.
Für Sabine Maaß ist zudem ein wichtiger Aspekt, dass sie auch im privaten Bereich bei einem Notfall nicht gleich in Panik gerät. Man wisse im Einsatz nie, was einen wirklich erwartet. „Man hat alles sehr verinnerlicht, weiß, was als Ersthelfer zu tun ist.“ Ein für sie auch beruhigendes Gefühl.
Alexander Lohmann bestätigt: „Es ist einfach schön zu wissen, dass wir helfen und den Rettungsdienst unterstützen können.“ Besonders berührend sei es dabei, wenn dadurch ein Kind gerettet werde.
Werden die First Responder alarmiert, ist in der Regel „lebensbedrohlich“ das Stichwort. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenschance pro Minute um zirka 10 Prozent. Ein First Responder, der nach deutlich weniger Minuten vor Ort ist, erhöht die Überlebenschance massiv, wenn der Rettungswagen vielleicht die vollen, gesetzlich als Limit gesetzten zwölf Minuten benötigt. „Wir sind ziemlich schnell, brauchen etwa vier bis fünf Minuten“, berichtet Sabine Maaß.
Über eine spezielle Handy-App wird zusätzlich der Einsatzort mitgeteilt. Wer von den First Respondern in der Nähe des Einsatzorts wohnt, fährt direkt hin, die anderen kommen zur Wache, ergänzt Thorben Zeidler. Jede Minute sei kostbar.
„Wenn wir an der Wohnungstür klingeln, sind Angehörige oft überrascht, dass Feuerwehrleute vor der Tür stehen, obwohl sie den Rettungsdienst angerufen haben“, erzählt Sabine Maaß. Die Situation sei schnell geklärt, und die ersten lebensrettenden Maßnahmen werden zügig umgesetzt. Ein eingespieltes Team leistet die erste Hilfe. Jeder habe seine Aufgabe, ein First Responder ist direkt am Patienten, die anderen arbeiten zu und kümmern sich um die Angehörigen. „Wir sind immer mindestens zu zweit“, so Sabine Maaß.
Einsatzprotokoll für medizinische Erstinformation an den Rettungsdienst
Die Ersthelfer führen dabei ein Einsatzprotokoll. Nach der Ersteinschätzung, ob eine Reanimation notwendig ist oder eine kritische Blutung besteht, setzt das ABCDE der Behandlung am Patienten ein. Dabei wird der Atemweg kontrolliert, ebenso die „Belüftung“. Dazu gehört es unter anderem, zu entscheiden, ob eine Beatmung notwendig ist. Der Kreislauf wird gecheckt, der Patient wird auf neurologische Defizite geprüft und die Wundversorgung wird vorgenommen.
Die notierten Ergebnisse liefern dem Rettungsdienst dann wertvolle medizinische Erstinformationen für die weitere Behandlung des Patienten. Die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst klappt sehr gut, betont Wehrführer Ralf Theede.
20 Reanimationen gelangen den First Respondern im vergangenen Jahr. Sie freuen sich, Leben zu retten. Wie aber gehen sie damit um, wenn das nicht möglich ist? „Wir finden Halt im Team“, sagt Thorben Zeidler. „Wir haben immer das Angebot, dass man reden kann im Team“, fügt Sabine Maaß hinzu, wie überhaupt alles Teamarbeit sei. „Ich sage mir dann auch, dass es die Biologie des Körpers ist, dass das Herz nicht mehr genug arbeiten kann. Das hilft mir“, berichtet Alexander Lohmann.
Gute Zusammenarbeit mit der Rettungsdienst-Kooperation
Von den 30 First Respondern in der Feuerwehr Wilster sind 15 hauptberuflich als Notfall- oder Rettungssanitäter tätig, einer ist Arzt. „Davon profitieren wir natürlich“, so Sabine Maaß. Alle anderen haben eine Sanitätshelfer-Ausbildung absolviert. Dabei wurden die Grundlagen der Ersten Hilfe an mehreren Samstagen vermittelt. Mit der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) gebe es eine Vereinbarung über Ausbildungsstunden. Auch Fortbildungen gibt es. Wer möchte, könne zudem ein Praktikum beim Rettungsdienst absolvieren.
Das Gelernte wird am Dienstabend immer wieder geübt und Einsatzabläufe werden rekapituliert, um alles im Einsatz wie erforderlich abrufen zu können. Und damit auch das notwendige Material vorhanden und intakt ist, gehört es an den Dienstabenden dazu, die professionell ausgestatteten Einsatzrucksäcke der First Responder zu checken. Für die Ehrenamtler der schönste Lohn: „Es kommen sehr viele, die Danke sagen“, freut sich Wehrführer Ralf Theede über die Zeichen der Anerkennung.
Text: shz.de

